Dr. Frank Vogelsang

  • Dr. Frank Vogelsang

Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland

Naturwissenschaftliche und philosophische bzw. theologische Themen haben mich immer schon interessiert. Insofern ist es nicht ganz zufällig, dass sich mein Lebensweg immer entlang der Grenze zwischen den Geistes- und Naturwissenschaften bewegt hat. Studiert habe ich die Fächer Elektrotechnik (Dipl.-Ing.) und evangelische Theologie (erstes kirchliches Examen).

Von 1994 bis 1997 folgte ein Forschungsprojekt an der Ingenieurkammer Niedersachsen zu der Frage, wie Ingenieurinnen und Ingenieure ihr berufliches Handeln mit ethischen Orientierungen verbinden können. Eine Dissertation zu dem Thema der Ingenieurethik schloss sich an das Projekt an: „Ingenieurethik. Ein Ansatz aus theologischer Perspektive“.

Ab 1997 folgten einige Jahre in der Politik. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Edelgard Bulmahn, SPD, und dann als Geschäftsführer des Wissenschaftsforums beim Parteivorstand der SPD im Willy-Brandt-Haus in Berlin rückten forschungspolitische Fragestellungen in den Vordergrund.

Seit 2002 bin ich an der Evangelischen Akademie im Rheinland tätig, zunächst als Studienleiter, seit 2005 als Direktor der Akademie.

Eine zentrale Frage meiner Arbeiten an der Akademie lautet: Welche Bedeutung hat heute die Rede von Gott, wenn die Naturwissenschaften doch die Welt und den Menschen immer genauer und exakter beschreiben können? Einen Schlüssel zur Beantwortung der Frage stellt meiner Ansicht nach eine Beschreibung der Wirklichkeit dar, die die Bedingungen unserer leiblichen Existenz berücksichtigt. Wir sind als leibliche Wesen untrennbar Teil der Wirklichkeit, wir sind elementar mit ihr verbunden . Diese Wirklichkeit ist deshalb nicht ausschließlich mit objektivierenden Methoden beschreibbar, sie zeigt sich als offene Wirklichkeit, die immer mehr ist, als menschliche Beschreibungen erfassen können. In drei Monographien habe ich mich unter Aufnahme der Erkenntnisse von Philosophen Maurice Merleau-Ponty, Paul Ricoeur und Bernhard Waldenfels um eine präzisere Beschreibung von unterschiedlichen Erscheinungsweisen von Wirklichkeit bemüht:

Offene Wirklichkeit. Ansatz eines phänomenologischen Realismus nach Maurice Merleau-Ponty „,

Identität in einer offenen Wirklichkeit. Eine Spurensuche im Anschluss an Merleau-Ponty, Ricoeur und Waldenfels „,

Die Rede von Gott in einer offenen Wirklichkeit. Phänomenologisch-hermeneutische Untersuchungen im Anschluss an Merleau-Ponty, Ricoeur und Waldenfels „.

Auch die Theologie kann die Bedingungen unserer leiblichen Existenz nicht aufheben und das Geheimnis der Wirklichkeit nicht lüften. Sie kann ihm aber einen bestimmten Ausdruck geben. Sie versteht sich als Antwort auf die vorgängige Zuwendung Gottes. Eine Theologie, die ihre Grenzen bewusst reflektiert, ist eine weisheitliche Theologie. Sie fragt danach, wie sich das Unaussprechliche der Wirklichkeit, wie sich ihr Geheimnis in der christlichen Tradition, in unserem Alltag, in unserer Spiritualität zeigt.

Das Geheimnis ist nicht dadurch verursacht, dass die Welt so undurchsichtig oder kompliziert sei. Vielmehr sind wir als leibliche Wesen so sehr mit der Welt verschränkt, mit ihr verbunden, dass es für uns keinen Ort gibt, von dem aus es möglich wäre, die Welt als Ganze zu überschauen. Darauf weist eine Philosophie des Leibes. Wir sind mit der Welt elementar verbunden.

Die Theologie bezeugt, dass der barmherzige Gott das Geheimnis der Welt ist. Hier zeigt sich unsere Verbundenheit über die zu Menschen und zur Welt hinaus in einer radikalen Form. Es ist eine Verbundenheit, die nur Gott als Schöpfer und Erlöser geben kann. Die Theologie hat die Aufgabe, dieser Verbundenheit einen angemessenen Ausdruck zu geben. Dann zeigt sich, dass die Rede von Gott es tatsächlich auf die Wirklichkeit zielt. Die Theologie stellt vermittelt durch Symbole und Erzählungen eine Sprache bereit, die wirklichkeitserschließende Kraft hat. Diese Sprache kann sich im Alltag bewähren, indem sie die Verbundenheit zu den Menschen und zur Welt betont. Dann kann sie zu einem erweiterten Blick auf die Welt anleiten, der über die Erkenntnisse der Naturwissenschaften hinausgeht und zu einem Handeln motivieren, das den Erfahrungen der Verbundenheit gemäß ist.

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